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06.06.2010 08:02 Alter: 9 Jahre
Von: seb

AFS-Returnee auf Konferenz zum Nichtverbreitungsvertrag im UN Headquarter, New York


Nina in der General Assembly der UN

Welche Spuren hinterlaesst ein Schueleraustauschjahr bei einem jungen Menschen. Hierauf gibt es sicherlich hundert Antworten. Von einer moechte ich erzehlen:
Nach der zehnten Klasse, 2005, setzte ich mich in einen riesigen Flieger, in den groessten den ich wohl bis dato gesehen hatte, und liess mich von diesem zum ersten Mal aus Europa raus, ueber den Atlantik nach Venezuela tragen. Was da auf mich wartete kennt wohl jeder AFSler auf eine gewisse Art und Weise oder wird es bald kennen lernen, viel staunen, viel erfahren, mehr als vorher verstehen, von Venezuela, von Deutschland, von unserer Welt. Ich kehrte zurueck nach Deutschland nach einem Jahr, aber von meinem "Trip" aus Staunen und Verstehen wollen war ich damit noch laengst nicht runter. Ich arbeitete eine Weile in unserem regionalen AFS-Komitee mit, um mit den Gastschuelern, die wir empfingen, in Kontakt zu sein und von ihnen zu lernen. Sobald ich mein Abi in der Tasche hatte, setzte ich mir meinen Reiserucksack wieder auf, stieg wieder in den grossen Flieger und liess mich dieses Mal nach Indien tragen, zu einem Weltwaerts-Freiwilligen-jahr. Aber auch damit war meine Neugierde noch nicht gesaettigt. Seit einem Jahr studiere ich nun "Internationale Beziehungen", zusammen mit vielen anderen, die sehr aehnliche Geschichten wie ich zu erzaehlen wissen. Aus Neugierde ist mittlerweile Tatendrang geworden. Viele meiner Komilitonen schlossen sich Hochschulgruppen zu unterschiedlichen Themen wie Bekaempfung von HIV in Afrika, Umgang mit Fluechtlingen oder Menschenrechte im Allgemeinen an, oder gruendeten eigene Projekte, alle irgendwie, um die Welt in ihrem Sinne ein winziges Stueckche, so sehr wie gerade fuer jeden eben moeglich, besser zu machen, oder zumindest laut aufmerksam zu machen auf das Thema.
In meinem Fall war es ein Thema, von dem in den meisten Medien weit weniger berichtet wird als ueber andere Menschheitsprobleme. Erstaunlich, vor allem angesichts der grusligen Bedrohungsszenarien, die sich hinter dem Begriff verbergen: Abruestung von Atomwaffen. Das Projekt, dem ich mich anschloss, wurde von einem Komilitonen von Heidelberg nach Dresden getragen und basiert hauptsaechlich bis fast gaenzlich auf der Initiative von Studenten und Schuelern. Es ist eine Medien-Initiative, die versucht, das problem Nuklearer Abruestung zugaenglicher und anschaulicher zu machen, in der Hoffnung die akute Bedrohung durch Atomwaffen mehr in unser aller Bewusstsein zu ruecken. Dazu haben wir eine Internetplattform (www.npt-tv.net) aufgebaut, mit Fragen und Antworten zum Thema, vor allem aber mit Videomaterial was viele Unklarheiten erklaeren soll. Woher haben wir Filmmaterial? Einfach gesagt: Wir sind zur wichtigsten Konferenz zum Thema, der Ueberpruefungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag (auch genannt Nicht-Verbreitungs-Vertrag) nach New York in das UN Hauptquartier geflogen und haben dort Interviews mit den verhandelnden Diplomaten und wichtigen NGOs und Think Tanks gefuehrt und gefilmt. Das passierte im Mai 2010 bereits zum vierten Mal, nach drei Besuchen der Vorbereitungskonferenzen in den vergangenen Jahren, fuer mich jedoch zum ersten Mal. Die grossen Flieger sind nun fast schon Routine, die Umgebung innerhalb der UN schafft es aber dennoch mir ein bisschen Aufregung durch den Bauch zu jagen. Nun, seit einigen Tagen wieder zurueckgekehrt, klingt mir immernoch die Begeisterung nach, was man in wenigen Wochen in einer Gruppe von zwanzig Studenten, keiner aelter als 22 Jahre, schaffen kann, mit etwas Neugierde, Mut und Ueberzeugung (und etlichen durchgearbeiten Tagen und Naechten, und einer Menge Spendengeldern), naemlich 150 Interviews mit ueber 50 wichtigen Delegierten, Forschern und Aktivisten fuer eine Internetplattform die mehr und mehr an Aufmerksamkeit gewinnt.
Wenn ihr mich fragt, der Schritt zu meinem AFS-Auswahlwochenende, war der erste in Richtung des kleinen blauen UN-Badges, den ich voller Stolz nun in meinem Zimmer aufgehaengt habe, und ich bin gespannt was noch alles auf diesem Weg folgt.